Zur Person

 

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Reinhard Lier, Jahrgang 1960, Heilpraktiker und Autor mehrerer Bücher über das Familienstellen, Reinkarnation und die Geistesschulung Ein Kurs in Wundern.

Stammt aus einer Apothekerfamilie aus Niedersachsen (Bad Sachsa am Harz), wohnt und arbeitet seit 1986 im Süden Deutschlands, seit 2009 in der Schweiz.

 

 

* Abitur 1980, Kaiser-Karl-Schule, Itzehoe (Schleswig-Holstein)

* 1981: Kunststudium-Aufenthalt an der Rhode Island School of Design, Providence, USA

* Heilpraktiker (3jährige Ausbildung Deutsche Heilpraktiker e.V., Hamburg, Abschluss 1985)

* 1990/91 zehn Monate gruppendynamische Prozesse in einer Aussteigergruppe

* 1992 Prozessarbeit nach Anne Wilson-Schaef

* 1993 Selbsterfahrungstraining bei Doc & Ruth Lindwall, USA

* 1994 Quadrinity-Prozess

* 1995 Avatar-Training

* Seit 1995 Aufbau des Linderhofes

* 1996-1999 Teilnahme an folgenden Hellinger-Seminaren: Köln, Frankfurt, Dresden, Leipzig, Kassel (2x), Berlin, 1. und 2. Kongress in Wiesloch

* Teilnahme an verschiedenen therapeutischen Gruppen, unter anderem bei Stefan Hausner und Jakob Schneider (München)

* Zwischen 1996 und 2006 habe ich weit über 3.500 Familienaufstellungen durchgeführt.

* 1999 erstmals Vorträge und Seminare auch in den USA: Philadelphia, Phönix, Honolulu (Hawaii)

* Januar 2000: Teilnahme in der Supervisionsgruppe bei Bert Hellinger (München)

* 2000: Werkstatt-Tagung „Verkörperungen“ in Wiesloch

* 2000: Hellinger-Seminare: Wiesloch (Oktober); Dornbirn (November)

* Januar 2001: Therapeuten-Seminar mit Bert Hellinger in Linz

* Mai 2001: 3. Internationaler Kongress in Würzburg

* Juni 2002: Seminar Bewusstseinstraining „Leben aus der Vision“

* Oktober 2002: Seminar mit Ilona Selke und Don Paris in der Schweiz

* seit Januar 2003: Vorträge und Workshops in Kalifornien, USA

* April 2003: Studienreise Strafvollzug in Norwegen (Bergen)

* Mai 2003: 4. Internationaler Kongress Würzburg

* September 2003: Arbeit mit Strafgefangenen in der Justizanstalt Klagenfurt, Austria

* April 2004: IAG-Aufstellertreffen bei Uslar

* Seit November 2006: Ein Kurs in Wundern

* 2007: Supervisionsgruppe bei Jakob & Sieglinde Schneider, München

* Seit Dezember 2009: Beschäftigung mit der Geistheilung nach Joel S. Goldsmith

* August 2011: Seminar mit Dr. med. Gerald Jampolsky und Dr. phil. Diane Cirincione in Dortmund über Attitudinal Healing

* Seit 2012: Beschäftigung mit der Geistheilung nach Bruno Gröning

* Mai 2014: Teilnahme am Euroasiatischen Kongress für Systemaufstellungen in Novosibirsk, Russland – mit eigenem Tagesworkshop

 

Ein Interview mit Reinhard Lier vom März 2016:

Über unbewusste Verstrickungen, den IS und Geistesschulung 

Frage: Wozu Geistesschulung angesichts des Elends und all der Probleme in der Welt? Brauchen wir nicht politische und praktische Lösungen?

R.Lier: Wenn man das eine Problem aller Menschen richtig verstanden hat, dann ist Geistesschulung die einzige Alternative. Wir brauchen dringend Einsichten in die seelisch-geistige Verstrickung, nämlich in den egomanen Impuls, der uns uneinfühlsam und brutal mit anderen Menschen und mit uns selbst umgehen lässt. Sehr verkürzt gesagt geht es um den unbewussten Glauben an Sünde und an Schuld in allen Menschen. Dieser Glaube erfüllt uns mit Angst und treibt uns dazu, Strafe zu erwarten. 
Meist wird die Schuld auf andere Menschen projiziert und es beginnt eine schreckliche Treibjagd auf anders Denkende, wie wir es jetzt wieder beim IS sehen. Das sind aber alles Verzweifelte, die sehen sich als Verlierer und hassen die Gewinner im Westen. Und dann kommt es zum Rachefeldzug, zum „heiligen“ Krieg, der natürlich mit wirklicher Religiosität und Spiritualität nichts zu tun hat. Es ist ein ideologischer und vor allem emotionaler Wahnsinn wie im Nationalsozialismus. Ein paar Wenige reißen die Macht an sich und finden genügend Frustrierte, die dann ihre angestaute Sexualenergie gegen die Glaubensfeinde und vor allem auch gegen Frauen richten. Man sieht auch hier die alten patriarchalen Strukturen, die besonders im Islam eine Gleichberechtigung für die Frauen unmöglich machen.

Frage: Dann sind wir immer noch im inquisitorischen Mittelalter?

R.Lier: In gewisser Weise haben wir diese schlimme Zeit nie wirklich überwunden. Bei den radikalen Islamisten und den Warlords in Afrika ist es offensichtlich, wie verrückt und grausam das Menschenbild ist. Im Westen sieht alles nur ziviliserter und nicht mehr so blutrünstig aus. Aber allein die kapitalistische Gier lässt Menschen bluten, vor allem in entfernten Ländern, aber auch im eigenen Land, wenn die Miete kaum bezahlbar ist und die Angst vor Arbeitslosigkeit der Ausbeutung Tür und Tor öffnet. Natürlich sind alle Probleme in der Welt sehr komplex miteinander verflochten, aber im Kern sehe ich immer wieder nur eins: Den einzelnen Menschen in seiner Verzweiflung und der daraus resultierenden neurotischen Verrücktheit.

Frage: Und Geistesschulung kann da etwas bewirken? Was genau?

R.Lier: Jeder Mensch ist seinem wahren Wesen nach Geist, man kann auch von Seele sprechen. Der Zugang zum Geist ist heutzutage bei vielen Menschen nicht mehr oder zu wenig gegeben. Daraus resultieren sehr viele unserer körperlichen und seelischen Krankheiten: Leidet der Geist, dann leidet der Körper. In der Geistesschulung wird das Wesen des Geistes theoretisch und praktisch erfahrbar gemacht.
Ich arbeite mit dem nondualen Lehrsystem von Ein Kurs in Wundern, welches uns Mitte der 1970er Jahre durch Dr. Helen Schucman, einer amerikanischen Psychologin, geschenkt wurde. Mir ist klar, dass dieses Werk aus einer sehr, sehr hohen spirituellen Ebene zu uns gekommen ist, man könnte auch von einer Art der Neuoffenbarung sprechen. Es geht um den Erlösungsweg des Menschen: Wir sind geistig-emotional verwirrt und brauchen dringend Hilfe. Diese Hilfe kann aber nicht aus der uns bekannten Welt kommen, denn innerhalb der Matrix unseres egomanen Wahns gibt es nur kranke Strukturen. Die Hilfe kommt aus der Geistigen Welt. Damit meine ich alle Wesenheiten (inkarniert oder rein geistig gegenwärtig: Jesus, spirituelle Meister, Engel, aufgestiegene Seelen), die der Liebe und der Weisheit Gottes dienen.

Frage: Das klingt etwas abgehoben, irgendwie sehr esoterisch…

R.Lier: Ja, „esoterisch“ ist leider heutzutage fast schon ein Schimpfwort. Wir sind in der Exoterik versumpft, im äußeren Bereich, der sich nur auf die Wahrnehmungen der fünf Sinne und deren kognitive Verarbeitung bezieht. Der innere – esōterikós bedeutet im Griechischen „innerlich“ – Bereich ist den meisten Menschen nicht zugänglich, weil ein ernsthaftes Suchen durch Stille und Hingabe nicht verstanden und daher nicht praktiziert wird. Ein beachtlicher Esoteriker war zum Beispiel Thorwald Dethlefsen, dem das Problem der Gottesferne (er sprach von einer vierfachen Fallbewegung des Menschen) bewusst war und der in seiner spirituellen Arbeit über Rituale für die suchenden Menschen Gottesnähe herstellen wollte.

Frage: Dann sind wir von Gott abgefallen?

R.Lier: Ja, zumindest glauben wir das, obwohl wir nach wie vor in Gott sind und nirgendwo anders sein können, aber wir haben diese Wahrheit nicht erkannt, wir wollten sie vergessen und haben die Idee der Trennung von Gott in unseren Geist aufgenommen, obwohl sie kompletter Unsinn, in Wahrheit unmöglich ist.

Frage: Dann muss man doch erst mal klären, was unter „Gott“ zu verstehen ist?

R.Lier: Richtig. Und da wird es natürlich schon sehr schwierig. Ich spreche gern vom göttlichen GEIST, welchen wir vielleicht als LIEBE, ewigen FRIEDEN und GLÜCKSELIGKEIT verstehen. Das HÖCHSTE, das weder Anfang noch Ende hat, ohne Raum und ohne Zeit, ohne Körperlichkeit, ohne jegliche Begrenzung, reines geistiges LICHT. Da sind SOHN und VATER eins, wenn wir mal mit dieser Metapher arbeiten wollen. Der VATER dehnt sein Wesen über den SOHN aus, die LIEBE – was man aber nicht räumlich verstehen darf.

Frage: Zumindest verspüren wir doch alle eine Sehnsucht nach Liebe, also letztlich nach Gott?

R.Lier: Ja, da ist ein Hunger nach Liebe und Frieden in uns, aber es gibt einen Anteil in uns, der als Virus der Trennung oder „Ego“ bezeichnet werden kann, der bietet uns einen Ersatz für die wirkliche, göttliche LIEBE an. Und dann lieben wir alle möglichen Objekte der Welt und werden süchtig nach ihnen aber nie satt und friedvoll. Uns treibt dann die Gier:
Wir sammeln die seltsamsten Spielzeuge, Autos, Antiquitäten und auch Menschen, besonders sexuelle Erfahrungen, aber es reicht nie, man findet keinen Frieden.
So nützen dem IS-Kämpfer auch im Jenseits die 72 versprochenen Jungfrauen nichts. Das ist nur eine weitere sexuelle Gier, die aufgrund der gelebten Brutalität des „heilgen Krieges“ nun zum sexuellen Albtraum wird. Diese Jungs werden zunächst sehr leiden, bis sie dann irgendwann im Geist ihren Irrweg bereuen und umkehren in Richtung Heilung. Denn jeder Schmerz, den ich einem anderen Menschen hasserfüllt und sadistisch zufüge, den füge ich in Wahrheit mir selbst zu. Ich weiß es, ich habe das im Geist einmal schauen dürfen, es war die Hölle. All dieser Hass gegen andere ist in Wahrheit Selbsthass. Und genau hier setzt die Geistesschulung an:
Dass uns dies bewusst wird und wir mit der Geistigen Welt zusammen arbeiten, um innere und auch äußere, körperliche Heilung zu erfahren.

Frage: Wir brauchen also Geistesschulung, um gesund und glücklich leben zu können?

R.Lier: Ja, irgendeine Art von Geistesschulung brauchen wir, denn wir leben in einer sehr „geistlosen“, kalten und schnellen Zeit, unter der immer mehr Menschen leiden. Es gibt viele Lehren, die zu einem friedvollen, erfüllten Leben führen. Der geistig Interessierte darf natürlich das für ihn Passende finden. Ich biete nur eine Möglichkeit an, die besonders uns im christlichen Abendland abholen kann, da sie sich auf Jesus Christus bezieht und helfen will, manch christliches „Missverständnis“ zu überwinden. Die alten christlichen Irrtümer und Liebslosigkeiten, besonders gegenüber anders Gläubigen, dürfen endlich geheilt werden.

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Frage: Was die Kirchen nicht mehr verständlich vermitteln, das suchen die Menschen heute anderswo?

R.Lier: Die seelische Not lässt uns neue Wege suchen und finden. Aber man kann auch innerhalb der Kirche Heilsames erfahren, nur sehe ich den dringenden Bedarf an Erneuerung: Die Inhalte müssen neu hinterfragt und vermittelt werden. Wenn es mit den kirchlichen Strukturen und Inhalten nicht so schwierig wäre, ich hätte den Beruf des Pfarrers gewählt.


Frage: Wo siehst Du Deinen Wirkungsbereich im größeren Ganzen?

R.Lier: Ursprünglich bin ich Heilpraktiker, aber da fehlte mir die geistige Dimension. Naturheilkunde und Homöopathie können sehr hilfreich sein, aber ich suchte immer nach einem Verständnis des menschlichen Konflikts auf einer Meta-Ebene. Und Ein Kurs in Wundern hat mir genau das geschenkt. Da sind keine Fragen offen geblieben. Nun geht es nur noch um den praktischen Weg im Klassenzimmer der uns bekannten Welt.

Ich interpretiere den Kurs, habe seit 2008 über 80 Stunden frei referiert und einige Bücher geschrieben. In der Arbeit mit den Menschen, ob einzeln oder in Gruppen, suche ich nach Wegen, die Botschaft des Kurses erlebbar zu machen. Das Familienstellen hat sich als sehr hilfreich erwiesen, da wir „in Körpern denken und fühlen“, wie es uns EKIW sagt. So kann der Urkonflikt der Schuld und die Möglichkeit der Heilung sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Wir sind Geist und in unserem kollektiven Geist liegen Problem und Lösung. Ich arbeite insofern immer für die Ewigkeit, weit über alle Inkarnationen hinaus. Nur das interessiert mich.

(Dieses Interview ist auch im neuen Prospekt 2016/17 zu finden.)