Aufstellen

 

Leben ist Beziehung, ist Begegnung mit einem Du. Die intensivsten Beziehungen erleben wir in Familie und Sippe. Genau hier, an den Wurzeln unseres Seins, ist der Einzelne häufig verstrickt mit anderen Schicksalen seiner Familie. Diese unbewußten Verstrickungen wirken oft über einige Generationen hinweg und führen zu Krankheit, persön-
lichem Scheitern oder gar Selbstmord.Gruppe-2000-5-lll-cut-K

Bert Hellinger entdeckte die Grunddyna-
miken, die zu solchen leidvollen Wirkungen führen: Die Liebe des in uns allen existierenden „inneren Kindes“ („die Kinderseele“) drückt sich in einer tiefen Treue zur Familie und Sippe aus. Es ist diese blinde, unbewußte Liebe, die sich nur zu gern in andere Schicksale einmischt und schweres Leid anderer Familienmitglieder auf sich nehmen möchte. Dann folgt zum Beispiel ein Enkelsohn gern seinem toten Großvater nach, der im 2. Weltkrieg umkam. Oder eine Tochter wird magersüchtig und will insgeheim sterben, weil es ihren Vater innerlich zu seinem frühverstorbenen Onkel zieht. Hier will die Tochter für den Vater sterben und sie sagt ihm im Inneren „Lieber gehe ich als du, mein lieber Papa!“. 

Der Klient sucht sich in der Gruppe für die eigene Person, den Ehepartner, für Kinder, Vater, Mutter, Geschwister und Verwandte Stellvertreter aus, die dann, wenn sie sich gesammelt und ruhig dem Prozess anvertraut haben, die Gefühle und Gedanken der Menschen, für die sie stehen, wahrnehmen. So klärt sich sehr oft in kürzester Zeit das Familiengeschehen mit all seinen leidvollen Beziehungsgeflechten. Die Familienstellen Ahnen Therapie Reinhard Lierunbewusste, blinde und leidbringende Liebe des inneren Kindes wird über die gefühlte Einsicht in die Verstrickung in eine „wissende Liebe“ verwandelt, die das Schicksal des anderen achtet und würdigt und zu den Folgen des eigenen Handelns steht. Es wird ein heilsames Bild der Ordnung durch Umstellen der Familienmitglieder entwickelt. Der Therapeut lässt die Teilnehmer Sätze sprechen, die den magischen Bann der „blinden Liebe“ lösen. So können am Ende der Aufstellung Ordnungen der Liebe tief in der Seele wirken, damit die Kraft zu neuem Handeln fließt. 

Der Prozess des Familienstellens dient gewissermaßen als ein Spiegel, in dem die krankhaften Dynamiken menschlicher Beziehungen geschaut, ja, für alle Beteiligten erlebbar werden. Hier vollzieht sich energetisch stark verdichtet menschliches Schicksal: die tiefe Sehnsucht nach Zugehörigkeit sowie das Bedürfnis nach Ausgleich und Gerechtigkeit innerhalb der Sippe. Die beeindruckende Stärke des Familienstellens liegt, so darf ich es immer wieder beobachten, im erlebbaren Vollzug von Verstrickung und Lösung – und dies von Angesicht zu Angesicht. 

Die Arbeit des Familienstellens läuft würdevoll in einem geschützten Rahmen ab. Die beobachtenden Kursteilnehmer begegnen den Klienten mit einem Höchstmaß an Achtung. Das Geschehen wird von den Teilnehmern nicht kommentiert oder bewertet. Es gilt für alle die Schweigepflicht. 

Reinhard Lier Familienstellen Therapie

 

In der Regel sind keine gesonderten Vorgespräche notwendig. Es genügt der spontane Einstieg in den Prozess des Familienstellens bei einer therapeutischen Wochenend-
gruppe. Der Klient sollte allerdings über seine Vorfahren die wichtigsten Informationen (schwere Schicksalsereignisse) zur Verfügung haben. Unmittelbar vor der Aufstellung findet eine Sichtung der Gesamtlage im Gespräch des Klienten mit dem Therapeuten statt. 

Ob man Beobachter ist und dabei als Stellvertreter bei Aufstellungen mitwirkt oder selber aufstellt, das Familienstellen berührt alle Teilnehmer tief und trägt zu einer heilsamen Wandlung bei. 

 

Hier die Rückmeldung eines Mannes, der aufgestellt hatte:

Dein Seminar, insbesondere die Familienaufstellung, die Du mit mir durchgeführt hast, könnte einen Wendepunkt in meinem Leben bedeutet haben. Es wird sich, so steht zu hoffen, mehr und mehr zeigen. Für Deine große Hilfe möchte ich mich gerne bedanken und Dir in diesem Zuge eine Art Zwischenbericht geben.

Stand der Dinge ist – wie ich jetzt zu hoffen wage – dass ich mich nun nicht endgültig und bis ans Ende dieses Lebens von allem Lebendigen abwendet halten und also weiterhin, bei allem was geschieht, außen vor bleiben muss. Das wäre, vermute ich, beinahe geschehen.

Beinahe wäre ich aus der Entscheidung herausgefallen. Beinahe hätte ich aufgeben müssen und damit die Möglichkeit, doch noch das Leben zu wählen. Ich konnte die (An)Spannung nicht mehr (aus)halten. Ich war innerlich schon fast weggegangen, da hast Du mich gerade noch rechtzeitig an der Hand gepackt und hast in mich hineingerufen und hast mich noch einmal wach gekriegt. Dieser Weckruf ermöglichte mir, mich noch einen Augenblick länger in der Wahlmöglichkeit zu halten. Diesen Augenblick habe ich genützt und habe meinen Widerstand (für einen Augenblick) aufgegeben. Das hat gereicht. Da war eine Kraft in mir. In der habe ich mich umgedreht. Irgendwie.

Irgendwie ist jetzt auch alles anders. Ich kenne mich in den neuen Verhältnissen nicht aus. Ich muss alles erst (wieder) lernen. Wenn einer, der lange, lange fort war, plötzlich wieder da ist, das ist auch für die, die diesen lange vermisst haben (und nicht nur für mich selber) gewissermaßen nicht einfach. Ich glaube, ich merke das jetzt und sage das, obgleich mir dieser Tage einige Menschen ungewöhnlich aufgeschlossen begegnen und überhaupt so einiges durchaus Angenehme plötzlich und nicht erwartet entgegenkommt. Mir dämmert trotzdem, dass ich jetzt viel Geduld, Mut und einen sehr langen Atem haben muss, mit mir und den anderen. Rückschläge werden kommen. Und dass ich dem Ego regelmäßig in die Falle gehe, wen sollte das verwundern. Aber ich bin zuversichtlich.

Ich fühle mich nicht mehr heillos verloren und nicht mehr so an die Angst gebunden wie noch bis in die jüngere Vergangenheit. In einer der Familienaufstellungen, die auf meine folgten, sprach eine Frau zwei Sätze, die Du ihr gegeben hattest:
1. Man sieht sich (immer).
2. Ich stehe zur Verfügung. (Der Satz ist an die geistige Welt gerichtet.)

Ich habe das erlebt, als würde sie diese beiden Lösungssätze für mich mitsprechen, denn ich verspürte augenblicklich eine große Erleichterung. Es war als hätten mir diese beiden Sätze noch gefehlt. Es war als öffnete sich plötzlich ein Fenster. Nun stehe ich nicht mehr nur dem Leben zugewendet, ich lerne jetzt auch auf die Dinge und Menschen anders zuzugehen.

Diese beiden Sätze nämlich höre ich folgendermaßen:
Zu 1.: Wenn ich ins Leben gehe, muss ich niemanden zurücklassen, weil ich es für alle tun kann und weil Geister immer verbunden sind. Ich lasse also, wenn ich gehe, niemanden im Stich.
Zu 2.: Ich kann meine verrückten Ideen als Hilfeleistender loslassen und also mit dem Gedanken losgehen, dass die geistige Welt mich schon im besten Sinne für Menschen als hilfreich verwenden wird, wenn ich nicht aufs neue in den alten Fehler verfalle, ich wüsste es besser und müsste es also doch alles selber machen.

 

Hier eine weitere Rückmeldung:

Ich wollte Dir Dank sagen für meine Aufstellung beim letzten Mal: Ich als der „Hilflose und Schwache“ bei der Arbeit im Betrieb zusammen mit meiner Chefin, dem „General“. Du bezeichnetest es treffend als „eher ein Kampf gegeneinander, als ein Tanz miteinander“.

Das Lösungsbild für zukünftige Konfliktsituationen war dann mit Maria als Stellvertreterin für das wahre Selbst und dem Lösungssatz: „Bitte helft mir, was in dieser Situation dienlich ist!“ Phänomenal, was sich da getan hat… Mittlerweile hat mich meine Chefin schon zweimal zu Hause angerufen (kannte ich bisher gar nicht von ihr), um sich für meinen Einsatz bzw. die tolle Zusammenarbeit zu bedanken. Mein Gefühl für die Situation von außen betrachtet: Nicht wieder zu erkennen, es entwickelt sich alles tatsächlich zu einem Tanz miteinander!